29. Tonkünstlerfest 2022

11. November – 18. November 2022

 

STRAWINSKY BLEIBT!

Das, was hier im Land Sachsen-Anhalt kulturell gewachsen ist, hat eine aktuelle Gegenwart. Spätestens seit infolge des BAUHAUS-Jubiläums #modern denken durch die Landesregierung initiiert wurde, ist das in allen Künsten stärker in ein öffentliches Bewusstsein gerückt. Dabei spielt die Balance zwischen den Urvätern eines grundlegenden Paradigmenwechsels und den heute künstlerisch Produktiven eine besondere Rolle. Das ist bisher hinlänglich proklamiert worden, allerdings mit einem starken Focus auf Architektur und Baukunst und auf Skulptur und Malerei. Die aktuelle Musik aus Sachsen-Anhalt soll nun im Jahr 2022 eine besondere Beachtung erfahren. Der Landesverband des Deutschen Tonkünstlerverbandes entwickelt die Konzeption seines diesjährigen Tonkünstlerfestes mit der Grundüberlegung, in wie fern die in Europa stattgehabten Veränderungen der Künste um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in der heutigen Zeit eine Fortführung oder ein Pedant erfahren haben.

Aufhänger dieser Entwicklung soll das Musikdenken von Igor Fjodorowitsch Strawinsky (1882-1971) sein, weil sich 2022 sein Geburtstag zum einhundertvierzigsten Mal jährt. Vermutlich ist jedoch das Datum weniger ein Grund einer Entscheidung für den berühmten Russen mit französischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft. Ein Essay des Franzosen Pierre Boulez (1925-2016), bereits 1951 verfasst, liefert das Motto. Im Streit um die Merkmale der Neuen Musik innerhalb der Auseinandersetzung zwischen den Traditionalisten und den Avantgardisten spielen Strawinskys Werke eine besondere Rolle, weil sie sich einer eindeutigen Zuordnung verschließen. Die Kühnheit mancher Kritiker sah Strawinsky ausschließlich auf der Seite der traditionellen Komponisten, was eher einem Verdammungsurteil gleichkam. Da setzte sich der junge Avantgardist Boulez hin und lieferte anstelle der Verbalinjurien seiner vorwiegend männlichen Kollegen eine präzise, an der Werkstruktur des Ballettes Le sacre du printemps (Die Frühlingsweihe) von 1913 orientierte Analyse der kompositorischen Verfahrensweisen Strawinskys. Im Gegenzug zu den Meinungen und Vermutungen lieferte Boulez durch wissenschaftliche Arbeit erlangte Erkenntnisse. Die Conclusio seiner Analyse drückt die Wertschätzung in der Bedeutung für gegenwärtiges und zukünftiges Musikdenken mit den Worten: „Strawinsky bleibt!“ aus.

Lassen Sie uns in diesem Festival dem nachgehen, auf welche spezifische Weise die Urväter der Moderne, am Beispiel Strawinskys, im heutigen Komponieren und Musizieren verankert sind und ob damit das Urteil des vor wenigen Jahren verstorbenen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez noch heute (in Mitteldeutschland) gilt. Zu hinterfragen sind da nicht nur die Arbeiten unserer heute hier lebenden Komponistinnen und Komponisten, nein es geht auch um das lebendige Musizieren. Welche Rolle spielt das Werk von Igor Strawinsky heute bei der Ausbildung der musikalischen Jugend? Da gibt es viel Vorzeigbares, man denke nur an die Arbeit der Komponistenklassen, den Jugendkompositionswettbewerb, das Erarbeiten neuer Werke für „Jugend musiziert“ oder andere progressiv aufgestellte Wettbewerbe. Das Tonkünstlerfest bietet hier ein Podium und ist zugleich auch eine öffentliche Darstellung der musikpädagogischen und künstlerischen Leistungsfähigkeit Sachsen-Anhalts. 

Ihr Thomas Buchholz

Unsere Konzerte:

"Neue Musik aus dem Land für das Land" -  von und mit Igor Strawinsky

Donnerstag, 10.11.2022 19 Uhr Aschersleben 
Sacre zu 4 Händen - Ende und Auftakt 

Kooperationskonzert - Am Abschluss der KlangArtVision und als Auftakt zum diesjährigen Tonkünstlerfest konnten zwei erstklassige Pianisten gewonnen werden.

Michael Wendeberg und Nicolas Hodges interpretieren eines der bedeutendsten Werke Strawinskys nämlich „Le Sacre de Printemps“ in einer Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen und weitere Werke  wie „Jeux“ von Claude Debussy und „Játékok“ von György Kurtág.  

Das hochkarätige und besondere Konzert findet am am Donner-stag, 10.11.2022 um 19.00 Uhr  in der Weißen Villa Aschersleben statt. Die Karten zum Preis von 15 Euro und 11 Euro ermäßigt sind ab sofort in der Tourismusnformation und vor Ort an der Abendkasse zu erwerben. Im Mai/Juni 2022 gekaufte Karten behalten Ihre Gültigkeit.

Freitag, 11.11.2022 19:30 Uhr, Gesellschaftshaus Magdeburg

Konzert mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck unter der Leitung von Jan Michael Horstmann. 

Igor Strawinsky - Pulcinella Suite, Thomas König - Tempodrom UA, Marius Moritz - Like Ebony UA, Thomas Buchholz - Händels Albtraum
Darius Milhaud - Le Karneval de Londres

Sonnabend, 12.11.2022 19:30 Uhr, Gartensaal Bad Lauchstädt

Klavierkonzert mit Darya Dadykina

Strawinsky - Feuervogel-Suite (Bearbeitung), Petruschka, Klaviersonate
Prokofiew - Sonate Nr. 4 c-moll
Ravel - Miroirs

Sonntag, 13.11.2022
11 Uhr Musikschule Salzwedel

Schüler- Lehrerkonzert der Musikpädagogen des DTKV mit Vergabe des Komponisten-Preises.

Montag, 14.11.2022 11 Uhr - Schülerkonzert "Geschichte vom Soldaten" Freylinghausensaal Halle/Saale

"Die Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky ist selten zu hören. Noch seltener in der absoluten Originalbesetzung mit 7 Musikern, 2 Darstellern, und Sprecher. Strawinskys Geschichte soll unter anderem für Schüler der oberen Klassenstufen (8.-12. Klasse) erklingen. Kollegen aus dem Raum Halle/Leipzig unter der Gesamtleitung von Joachim Schulz werden dieses Wagnis angehen. Eine Programmpädagogin führt die Schüler in das Konzert ein.

Clarinette (in A und Bb): Krisztian Halmos
Fagott: Martha Benkendorf
Trp. (in A und Bb): Bruno Bastian
Posaune: Hans-Peter Fechner
Violine (Kzm.): Edwin Ilg
Kontrabass: Joachim Schulz
Schlagzeug: Ivo Nitzschke
Sprecher: Berthold Karsten Troyke 
Darsteller Soldat : n.n.
Darsteller Teufel /Dramaturg: n.n.
Tänzerin Prinzessin: Deborah Yadira Gut

Zum Inhalt: Ein Soldat tauscht mit dem Teufel seine Geige gegen ein Buch, das große Reichtümer verspricht. Er muss dem Teufel binnen drei Tagen das Geigenspiel beibringen. In Wahrheit vergehen jedoch drei Jahre, so dass der Soldat als fahnenflüchtig gilt. Wieder zu Hauseangelangt, wird er weder von seiner Mutter noch von den Dorfbewohnern wiedererkannt, und seine Braut ist verheiratet. Mit Hilfe des Buches, das voraussagt, wie die Börse steigt und fällt, wird er ein reicher Kaufmann, doch das Geld macht ihn nicht glücklich. Stattdessen wünscht er sich, durch sein Geigenspiel die kranke Prinzessin zu heilen. Bei einem verlorenen Kartenspiel mit dem betrunkenen Teufel bekommt er zwar die Geige wieder, doch dafür darf er seine Heimat nicht mehr betreten. Wieder im Besitz seiner Geige, heilt er durch sein Spiel die Prinzessin, und sie werden ein Paar. Als er die Heimat wieder betritt, wird er vom Teufel bereits erwartet. Ob der Soldat am Ende dem Teufel in sein Reich folgt, bleibt offen.

Karten gibt es zum Preis von 100 Euro pro Klasse (ca. 25 Schüler plus 1 Lehrkraft) und die Einzelkarte zum Preis von 5 Euro für Eltern, weitere Lehrer oder sonstige Interessierte. Anmeldungen und Fragen bitte unter: benkendorf@tonkünstlerverband-sachsen-anhalt.de

Dienstag, 15.11.2022

Musikalische Pause. 

Mittwoch, 16.11.2022
19:30 Uhr Gesellschaftshaus Magdeburg

Im Gartensaal erklingt wieder in voller Größe die KonBigBand unter der Leitung von Mohi Buschendorf. Auf dem Programm steht natürlich Strawinsky unter anderem auch sein Ebony-Concerto für Klarinette.

Donnerstag, 17.11.2022 "Geschichte vom Soldaten" 

Am Donnerstag erklingt sie noch zwei Mal, die Geschichte vom Soldaten. 11 Uhr als Schülerkonzert in der Turn- und Konzerthalle am Pfeilergraben und am Abend um 19:30 Uhr im Forum Gestaltung, Magdeburg. Hier wird im ersten Programmteil noch eine Uraufführung von Akki Schulz und eine Wiederaufführung von Bernhard Schneyer zu erleben sein.

Alle weiteren Details entnehmen Sie bitte vom Montag, 14.11.2022

Freitag, 18.11.2022 19:30 Uhr 
Streichergipfel mit Uraufführung

Unser Abschlusskonzert im Gröninger  Bad Magdeburg verspricht jede Menge Abwechslung mit Uraufführungen und Bearbeitungen  für 
"17 Saiten und 88 Tasten" 

Natürlich mit Strawinsky aber auch mit Erstaufführungen von Thomas König und Marius Moritz gespickt mit Werken Bach und Telemann.

Thomas König - Violine
Marco Reiß - Violine
Thomas Prokein - Viola
Jens Naumilkat - Violoncello 
Oliver Vogt - Tasten